- Weißbruch in Spritzgussteilen wird durch lokale Bildung von Mikrohohlräumen unter mechanischer Belastung verursacht und tritt am häufigsten bei teilkristallinen Polymeren wie PP und PE auf.
- Materialauswahl, Werkzeugkonstruktion, Verarbeitungsparameter, Nachbehandlungsbedingungen und Lagerumgebung tragen sämtlich zur Oberflächenaufhellung bei.
- Durch Anpassen von Schmelzetemperatur, Einspritzgeschwindigkeit, Werkzeugtemperatur und Auswerferkraft lassen sich Weißbruchfehler deutlich verringern oder vollständig beseitigen.
- Bestimmte Weißbrucherscheinungen (z. B. durch scharfkantige Auswerferstifte) lassen sich durch eine geeignete Werkzeugkonstruktion und Oberflächenbehandlung vollständig vermeiden.
- Die Grundursache zu verstehen, bevor eine Korrektur vorgenommen wird, ist der schnellste Weg zu fehlerfreien Teilen.
Was ist Weißbruch und warum tritt er bei Spritzgussteilen auf?
Spannungsweißbruch zählt zu den häufigsten Oberflächenfehlern an spritzgegossenen Kunststoffteilen. Er zeigt sich als undurchsichtige weiße oder milchige Flecken auf einer ansonsten transparenten oder farbigen Oberfläche. Ursache ist die Bildung von Mikrohohlräumen: Überschreitet eine örtliche Zug- oder Scherspannung die Streckgrenze des Polymers, trennen sich die Polymerketten und bilden mikroskopisch kleine Hohlräume. Diese streuen das Licht und erzeugen den sichtbaren weißen Schleier.
Dieses Phänomen tritt am ehesten bei teilkristallinen Thermoplasten wie Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE) auf, da ihre kristallinen Bereiche als Spannungskonzentratoren wirken. Amorphe Polymere wie ABS neigen eher zur Bildung von Spannungsrissen als zur klassischen Spannungsaufhellung, doch das optische Ergebnis ist ähnlich.
| Polymertyp | Weißbruchmechanismus | Anfälligkeit | Typischer Auslöser |
|---|---|---|---|
| PP (Polypropylen) | Mikroporenbildung | Hoch | Abrupte Entformung, zu hoher Nachdruck |
| PE (Polyethylen) | Mikroporenbildung | Hoch | Zu hoher Nachdruck |
| ABS | Spannungsrisse / Silberschlieren | Mittel | Feuchtigkeit, hohe Scherrate |
| PC (Polycarbonat) | Spannungsrisse / Spannungsrissbildung | Mittel | Chemikalienkontakt, Überbeanspruchung |
| Polyamid (PA) | Schwankung der Kristallinität | Niedrig–Mittel | Schnelle Abkühlung, Feuchtigkeit |
| POM (Polyacetal) | Oberflächenoxidation + Spannung | Niedrig | Hohe Schmelzetemperatur |
Spannungsweißbruch ist nicht nur ein optischer Mangel: Er weist auf eine Werkstoffschädigung hin, die Ermüdungslebensdauer, Schlagzähigkeit und langfristige Maßhaltigkeit beeinträchtigen kann. Der erste und entscheidende Diagnoseschritt bei der Analyse von Spritzgießfehlern1 besteht darin zu klären, ob das Weißwerden auf Werkstoffeigenschaften, Formkonstruktion, Prozessparameter, Nachbehandlung oder Lagerbedingungen zurückgeht.
Spannungsweißbruch betrifft nur transparente Kunststoffe.False
Spannungsweißbruch betrifft jeden Polymerwerkstoff, der unter Belastung Mikrohohlräume bildet. Teilkristalline Polymere wie PP und PE sind am anfälligsten; der Fehler tritt unabhängig von der ursprünglichen Farbe auf, da die Mikrohohlräume das Licht gleichmäßig streuen.
Wie bestimmen die Werkstoffeigenschaften, ob ein Teil weiß wird?

Die Molekülarchitektur, Kristallinität und Additivierung des Polymers bestimmen gemeinsam seine Weißbruchbeständigkeit. Das Verständnis dieser Faktoren ermöglicht Ingenieuren, Werkstoffe auszuwählen, die das optische Risiko minimieren, noch bevor das Werkzeug gefertigt wird.
Kristallinität: Teilkristalline Polymere wie PP, PE und Nylon besitzen geordnete kristalline Bereiche, die von amorphen Zonen umgeben sind. An Spannungsspitzen geben zuerst die amorphen Zonen nach und bilden Mikrohohlräume, während die kristallinen Bereiche intakt bleiben – dadurch entsteht das typische leuchtend weiße Erscheinungsbild. Ein höherer Anteil an Nukleierungsmitteln kann die Kristallitgröße verfeinern und den sichtbaren Effekt mindern, beseitigt den zugrunde liegenden Mechanismus jedoch nicht.
Molekulargewichtsverteilung (MWD): Eine breitere MWD erhöht den Anteil kurzer Ketten, die als Weichmacher wirken und lokal die Streckgrenze senken. Werkstoffe mit enger, kontrollierter MWD – speziell entwickelte PP- oder PE-Typen – zeigen beim PP-Spritzgießen2 deutlich geringere Weißbruchraten.
Kautschukmodifizierung: Schlagzähmodifizierte PP-Typen enthalten Ethylen-Propylen-Kautschuk (EPR) oder thermoplastische Elastomere. Diese Kautschukpartikel absorbieren Energie und können als Zähigkeitsmechanismus sogar kontrolliertes Weißwerden fördern; bei schlagzähmodifizierten Typen ist der spannungsinduzierte Weißbruch beabsichtigt. Wenn die Optik höchste Priorität hat, sollten ungefärbte schlagzähmodifizierte PP-Typen durch Standard-Homopolymere oder -Copolymere ersetzt werden.
Feuchtegehalt: Hygroskopische Werkstoffe wie ABS, Nylon und PC setzen an der Schmelzefront Dampf frei, wenn sie nicht ausreichend getrocknet wurden. Dadurch entstehen Schlieren, die auf der Bauteiloberfläche häufig fälschlich für Spannungsweißbruch gehalten werden. Vor dem ABS-Spritzgießen3 muss das Material zwingend unter den vom Hersteller vorgegebenen Bedingungen getrocknet werden.
Verträglichkeit von Farbstoffen und Additiven: Weiße Titandioxidpigmente (TiO₂) können unter Spannung an die Bauteiloberfläche wandern und den sichtbaren Weißeffekt verstärken. Optische Aufheller, die aus ästhetischen Gründen zugesetzt werden, können in Anschnittnähe, wo die Scherspannung am höchsten ist, eine sekundäre Weißfärbung erzeugen.
Welche Faktoren der Formkonstruktion verursachen Weißbruch an der Oberfläche?

Die Werkzeugkonstruktion ist eine wesentliche – und oft übersehene – Ursache für Spannungsweißbruch. Anders als Verarbeitungsparameter, die in der Produktion angepasst werden können, erfordert werkzeugbedingter Weißbruch zur vollständigen Behebung häufig Änderungen am Werkzeug.
Lage und Größe des Anschnitts: Ein zu kleiner Anschnitt erzeugt beim Eintritt der Schmelze in die Kavität übermäßige Scherspannungen. Beim Abkühlen werden diese Spannungen im Teil eingefroren; jede spätere mechanische Belastung kann dann am Anschnitt und in seiner Umgebung Weißbruch auslösen. Anschnitte sollten so dimensioniert sein, dass das Polymer seine kritische Scherrate beim Eintritt nicht überschreitet, und möglichst außerhalb optisch kritischer Flächen liegen.
Gleichmäßigkeit der Wanddicke: Abrupte Wanddickenübergänge verursachen unterschiedliche Abkühlgeschwindigkeiten und innere Spannungen. Besonders anfällig für Restspannungsspitzen sind Teile mit Bereichen, deren Wanddicke um mehr als 25 % von der Nennwanddicke abweicht. Beim Auswerfen oder später im Einsatz werden diese Spannungen als Weißbruch sichtbar.
Auswerferstiftkonstruktion: Für die Bauteilgeometrie zu klein dimensionierte Auswerferstifte konzentrieren die Auswerferkraft auf kleine Kontaktflächen. Dadurch gibt die Polymeroberfläche an jeder Stiftposition lokal nach – bei teilkristallinen Teilen entsteht so das deutlichste und regelmäßigste Weißbruchmuster. Größere Stiftdurchmesser, Flachauswerfer für Rippen oder Luftauswerfersysteme verteilen die Kraft und verhindern diesen Fehler bei Kunststoffteilen – die Spritzgussformkonstruktion4 ist dabei entscheidend.
Entformungsschrägen: Bei unzureichender Entformungsschräge gleitet das Teil beim Auswerfen unter Reibung an der Kavitätswand entlang, wodurch Zugspannungen in der Außenfläche entstehen. Für die meisten Harze sind je Seite mindestens 1–2° erforderlich; strukturierte Oberflächen benötigen 3–5° je Seite.
Geometrie der Kühlkanäle: Ungleichmäßige Kühlung führt zu unterschiedlicher Schwindung und Restspannungen. Bereiche, die schneller als benachbarte Abschnitte abkühlen, stehen unter Zugspannung und werden dadurch bei Belastung im Einsatz anfälliger für Weißbruch.
Das Vergrößern der Auswerferstifte ist häufig die wirksamste Einzelmaßnahme gegen Spannungsweißbruch nach dem Auswerfen.True
Wenn Weißbruch nur an den Kontaktpunkten der Auswerferstifte auftritt, sind zu kleine Stifte eindeutig die Ursache. Eine Vergrößerung des Stiftdurchmessers von 4 mm auf 8 mm reduziert den Kontaktdruck um 75% und beseitigt den Fehler üblicherweise ohne Prozessanpassung.
Welche Prozessparameter lösen am häufigsten Weißbruchfehler aus?
Prozessparameter lassen sich ohne Werkzeugänderungen anpassen und sind daher die erste Stelle, die beim Auftreten von Weißbruch untersucht werden sollte.
Nachdruck: Ein zu hoher Nachdruck überfüllt die Kavität und erzeugt Druckspannungen, die nach dem Auswerfen als Zugspannungen an der Bauteiloberfläche zurückfedern. Eine Verringerung des Nachdrucks um 10–15 % bei leicht verlängerter Nachdruckzeit beseitigt Weißbruch häufig, ohne Einfallstellen zu verursachen.
Schmelzetemperatur: Eine Temperatur unterhalb des empfohlenen Mindestwerts erhöht die Polymerviskosität und damit die Scherspannung am Anschnitt sowie in dünnen Bereichen. Für PP ist eine Schmelzetemperatur von 220–250 °C im Allgemeinen optimal. Eine zu hohe Temperatur kann dagegen thermischen Abbau und Kettenspaltung verursachen. Das schwächt das Polymer und erhöht während der Lebensdauer des Bauteils seine Anfälligkeit für Weißbruch.
Einspritzgeschwindigkeit: Eine zu hohe Einspritzgeschwindigkeit erzeugt starke Scherspannungen, die Polymerketten ungünstig ausrichten können und als Restspannungen im Teil eingefroren werden. Gegen Weißbruch im Anschnittbereich hilft es besonders, die Einspritzgeschwindigkeit während der ersten 30–40 % der Füllung zu verringern.
Formtemperatur: Ist die Form zu kalt, entsteht zwischen Schmelze und Formoberfläche ein steiler Temperaturgradient, der hohe Restspannungen einfriert. Wird die Formtemperatur innerhalb des für das Harz empfohlenen Bereichs erhöht, können sich die Moleküle vor dem Erstarren stärker entspannen, wodurch die Restspannungen sinken. Für PP sind Formtemperaturen von 40–80 °C üblich; technische Kunststoffe erfordern häufig höhere Werte von 80–120 °C.
Kühlzeit: Bei zu kurzer Kühlzeit wird das Teil ausgeworfen, bevor es ausreichend steif ist. Es verformt sich unter der Auswerferkraft, wodurch Spannungsweißbruch entsteht. Die Kühlzeit versuchsweise um 15–20 % zu verlängern, ist ein risikoarmer Diagnoseschritt.
Wie führen Nachbearbeitung und Lagerbedingungen zu Weißbruch?

Weißbruch tritt nicht immer unmittelbar nach dem Formen auf. Teile, die beim Auswerfen einwandfrei aussehen, können durch Nachbearbeitungs- oder Lagerungsspannungen erst Stunden oder Tage später weiße Flecken entwickeln.
Rückstände von Formtrennmitteln: Zu große Mengen oder unverträgliche Trennmittel auf der Bauteiloberfläche können als Spannungskonzentratoren oder chemische Wirkstoffe wirken und die Oberflächenintegrität beeinträchtigen. Ein sparsamer Einsatz und die Auswahl eines mit dem jeweiligen Harz verträglichen Produkts minimieren dieses Risiko.
Montagespannung: Einpressmontage, Schnappverbindungen und zu fest angezogene Befestigungselemente belasten Spritzgussteile örtlich. Bei Bauteilen mit Montagebelastung muss die Gesamtspannung aus Formrestspannung und Montagespannung unterhalb der Streckgrenze des Polymers bleiben. Bauteile mit hoher Restspannung werden standardmäßig vor der Montage getempert.
Chemikalienkontakt: Reinigungsmittel, Schmierstoffe und Umweltchemikalien können umgebungsbedingte Spannungsrissbildung (ESC) verursachen – ein Phänomen, das mit thermischem Spannungsweißbruch verwandt, aber nicht identisch ist. Bei PP sind Alkohole und bestimmte Tenside häufige Auslöser. Bei PC müssen Ketone und aromatische Lösungsmittel vollständig vermieden werden. Vor Abschluss der Produktkonstruktion ist daher das chemische Beständigkeitsprofil des gewählten Harzes zu prüfen.
Temperaturwechsel: Schnelle Temperaturschwankungen bei Lagerung oder Versand erzeugen Spannungen durch unterschiedliche Wärmeausdehnung. Teile, die in dünnwandigen Verpackungen unter Stapellast andere Teile berühren, können an den Kontaktstellen örtlich weiß werden. Einzelne Trays oder Schaumstoffzwischenlagen mindern dieses Transportrisiko.
UV-Belastung: Längere UV-Einwirkung schädigt das Antioxidantienpaket des Polymers und kann die Oberfläche verspröden, sodass bereits leichter mechanischer Kontakt Weißbruch auslöst. UV-stabilisierte Werkstofftypen und lichtundurchlässige Verpackungen schließen diesen Entstehungsweg aus.
Welche Lösungen sind für die einzelnen Ursachen von Weißbruch am wirksamsten?

Eine Verringerung der Einspritzgeschwindigkeit beseitigt Weißbruchfehler immer.False
Eine geringere Einspritzgeschwindigkeit reduziert die Schubspannung, beseitigt jedoch nicht alle Ursachen für Weißbruch — Dimensionierung der Auswerferstifte, Oberflächenstruktur der Form und Anschnittposition sind ebenso entscheidende Faktoren.
Eine höhere Werkzeugtemperatur reduziert Spannungsweißbruch, der durch eine schnelle Erstarrung der Oberfläche verursacht wird.True
Eine höhere Formtemperatur lässt die Polymerhaut langsamer entstehen und verringert dadurch innere Spannungskonzentrationen, die Mikrohohlräume und sichtbaren Weißbruch an der Oberfläche verursachen.
Eine wirksame Behebung von Weißbruch erfordert, die Lösung auf die Ursache abzustimmen. Die folgende Tabelle ordnet den Ursachen umsetzbare Lösungen zu:
| Verhindert Einfallstellen auf der gegenüberliegenden Oberfläche | Primäre Lösung | Sekundäre Lösung | Erwartetes Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Zu hoher Nachdruck | Nachdruck um 10–15% reduzieren | Nachdruckzeit verlängern | Spannungen durch Überverdichtung beseitigen |
| Niedrige Werkzeugtemperatur | Materialtauglichkeit bewerten | Anordnung der Kühlkanäle optimieren | Eingefrorene Eigenspannung reduzieren |
| Hohe Einspritzgeschwindigkeit am Anschnitt | Einspritzgeschwindigkeit der ersten Stufe reduzieren | Anschnittdurchmesser vergrößern | Geringere Scherspannung im Anschnittbereich |
| Zu kleine Auswerferstifte | Stiftdurchmesser vergrößern | Klingenauswerfer für Rippen hinzufügen | Auswerferkraft gleichmäßig verteilen |
| Unzureichende Kühlung | Kühlzeit verlängern | Kühlmitteltemperatur optimieren | Bauteil bei der Entformung ausreichend steif |
| Wandstärkenschwankung | Auf einheitliche Wandstärke umkonstruieren | Fließsimulation zur Steuerung der Füllung verwenden | Differenzspannungen beseitigen |
| Feuchtigkeit in hygroskopischem Harz | Nach Herstellervorgaben vortrocknen | Entfeuchtenden Trichtertrockner verwenden | Silberschlieren und Dampfmarken beseitigen |
| Optik schlagzähmodifizierter Harze | Auf eine nicht kautschukmodifizierte Type umstellen | Keimbildner zusetzen | Kristallitgröße verringern, Weißbruch kaschieren |
Häufig gestellte Fragen zum Weißwerden von Spritzgussprodukten

F: Ist Spannungsweißbruch dasselbe wie Schlieren? A: Nein. Spannungsweißbruch entsteht, wenn mechanische Spannung Mikrohohlräume im festen Polymer erzeugt. Schlieren (Silberstreifen) entstehen dagegen durch Gas – Feuchtigkeit oder Zersetzungsgase –, das während des Füllens an der Schmelzefront mitgeführt wird. Beide Fehler erscheinen als weiße oder silbrige Verfärbung, erfordern aber unterschiedliche Maßnahmen: Gegen Schlieren helfen bessere Trocknung oder eine niedrigere Schmelzetemperatur, gegen Spannungsweißbruch Änderungen an Druck oder Konstruktion.
F: Kann eine Oberflächenbeschichtung verhindern, dass Spannungsweißbruch sichtbar wird? A: Eine Lackierung oder UV-Beschichtung kann leichten Spannungsweißbruch vorübergehend verdecken. Die Bildung der Mikrohohlräume schreitet darunter jedoch fort und kann später zu Rissen oder Ablösung der Beschichtung führen. Die Ursache zu beseitigen ist einer rein optischen Kaschierung stets vorzuziehen.
F: Warum tritt der Weißbruch erst nach der Montage der Teile auf? A: Die Montage ergänzt die vorhandene Formrestspannung um mechanische Spannungen aus Einpressungen, Schnappverbindungen oder Befestigungselementen. Die Gesamtspannung überschreitet lokal die Streckgrenze des Polymers, sodass sich Mikrohohlräume bilden. Die übliche technische Lösung besteht darin, die Teile vor der Montage zu tempern und dadurch Restspannungen abzubauen.
F: Beeinflusst die Farbe, wie sichtbar der Weißbruch ist? A: Ja, erheblich. Weiße oder helle Teile können Spannungsweißbruch vollständig verbergen, weil die weißen Flecken der Mikrohohlräume optisch untergehen. Bei dunklen und transparenten Teilen ist der Fehler am deutlichsten zu sehen. Die zugrunde liegende Werkstoffschädigung ist jedoch unabhängig von der Bauteilfarbe identisch.
F: Wie erkenne ich, ob das Weißwerden durch Spannung oder eine chemische Reaktion verursacht wurde? A: Spannungsweißbruch weist typischerweise scharfe, örtlich begrenzte Konturen an mechanischen Kontaktpunkten wie Stiften, Anschnitten oder Kanten auf. Chemisch verursachtes Weißwerden (ESC) erscheint eher als diffuses Netzmuster entlang von Fließlinien oder Spannungsrissnetzen. Bestätigt wird die Ursache durch die Identifizierung der Chemikalie, die mit der Oberfläche in Kontakt kam.
F: Behebt Tempern einen bereits aufgetretenen Spannungsweißbruch? A: Beim Tempern knapp unterhalb der Erweichungstemperatur des Polymers kann die Beweglichkeit der Polymerketten dazu führen, dass sich einige Mikrohohlräume wieder schließen. Am wirksamsten ist dies innerhalb von 24–48 Stunden nach dem Spritzgießen. Bei starkem Weißbruch mit bereits vergrößerten Hohlräumen bringt das Tempern jedoch nur eine teilweise optische Verbesserung. Vorbeugung ist wesentlich wirksamer als nachträgliche Behebung.
Zusammenfassung: Weißbruchfehler beim Spritzgießen systematisch beheben

Spritzgussteile werden weiß, wenn mechanische Spannungen aus Verarbeitung, Entformung, Montage oder Gebrauch die lokale Streckgrenze des Polymers überschreiten und lichtstreuende Mikroporen erzeugen. Der Fehler tritt am häufigsten bei teilkristallinen Polymeren (PP, PE) auf, kann unter den entsprechenden Bedingungen jedoch jeden Thermoplast betreffen.
Die Hierarchie für Diagnose und Abhilfe lautet:
- Bestimmen Sie das örtliche Muster – Anschnittbereich, Auswerferstifte, Ecken oder diffuse Oberfläche –, um die Kategorie der Ursache einzugrenzen.
- Passen Sie zuerst die Prozessparameter an: Nachdruck senken, Schmelze- und Formtemperatur optimieren sowie Kühlzeit verlängern. Diese Maßnahmen sind kostengünstig und schnell umsetzbar.
- Ändern Sie bei Bedarf das Werkzeug: Auswerferstifte vergrößern, Anschnittgröße anpassen, Kühlkanalanordnung verbessern und Entformungsschrägen ergänzen. So lassen sich konstruktionsbedingte Weißbruchursachen dauerhaft beheben.
- Bewerten Sie die Werkstoffeignung: Wechseln Sie den Typ, setzen Sie Nukleierungsmittel zu und überprüfen Sie das Trocknungsprotokoll. Dies bildet die letzte Optimierungsstufe.
- Kontrollieren Sie die Nachbearbeitung: Steuern Sie Chemikalienkontakt, Montagespannungen und Lagerbedingungen, um einsatzbedingten Weißbruch zu verhindern.
Wer Weißbruch systematisch angeht, statt Prozessparameter willkürlich zu verändern, spart Zeit, reduziert Ausschuss und erzielt durch die Temperaturregelung der Spritzgussform5 langfristig gleichmäßigere Ergebnisse.
Spannungsweißbruch in teilkristallinen Polymeren ist in der Fachliteratur zur Fehleranalyse umfassend dokumentiert; als primärer Mechanismus der Lichtstreuung gilt die örtliche Bildung von Mikrohohlräumen. ↩
Die Molekulargewichtsverteilung und ihr Einfluss auf die Weißbruchanfälligkeit bei der Verarbeitung von Polypropylen sind entscheidende Kriterien der Werkstoffauswahl für optisch anspruchsvolle Bauteile. ↩
Feuchtigkeitsbedingte Schlieren in hygroskopischen Harzen entstehen durch einen anderen Mechanismus als Spannungsweißbruch; die Standardmaßnahme ist eine Vortrocknung unter den vom Hersteller vorgegebenen Bedingungen. ↩
Die Auslegung des Auswerfersystems und ihre Bedeutung für die Vermeidung von Oberflächenfehlern sind zentrale Aspekte der Formtechnik; dazu gehören Empfehlungen zur Stiftdimensionierung für unterschiedliche Wanddicken. ↩
Eine systematische Prozessoptimierung mithilfe der Formtemperaturregelung verringert Restspannungen und die Häufigkeit von Weißbruch; die empfohlenen Einstellungen unterscheiden sich je nach Harztyp und Nennwanddicke. ↩
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