Wenn Sie Spritzgussteile beschaffen und Werkzeugoptionen bewerten, ist das Kaltkanalsystem1 eine der ersten Entscheidungen. Es ist die einfachere, günstigere und weiter verbreitete Verteilerkonfiguration, aber deshalb nicht immer die richtige Wahl. Wenn Sie verstehen, wann ein Kaltkanal sinnvoll ist, wie er korrekt ausgelegt wird und welche Materialien sich dafür eignen, können Sie pro Werkzeug Tausende Dollar und wochenlange Fehlersuche sparen. In diesem Leitfaden erläutern wir alles, was Ingenieure und Beschaffungsmanager über Kaltkanalsysteme wissen müssen – von den Grundlagen der Funktionsweise bis zu praxiserprobten Konstruktionstipps aus zwei Jahrzehnten Erfahrung im Werkzeugbau.
- Kaltkanäle sind unbeheizte Kanäle, die Kunststoffschmelze in die Werkzeugkavitäten führen.
- Zweiplatten- und Dreiplattenwerkzeuge sind die wichtigsten Kaltkanalkonfigurationen.
- Kaltkanäle eignen sich ideal für Kleinserien, große Bauteile und wärmeempfindliche Werkstoffe.
- Ein Angusskanalabfall von 15–30% ist üblich, kann bei Thermoplasten jedoch recycelt werden.
- Balancierte Auslegung und Anschnittposition sind die beiden kritischsten Variablen.
Was ist ein Kaltkanalsystem beim Spritzgießen?
Ein Kaltkanalsystem im Spritzguss wird durch die in diesem Abschnitt erläuterten Funktionen, Einschränkungen und Zielkonflikte bestimmt. Es besteht aus einem Netzwerk unbeheizter Kanäle innerhalb eines Spritzgießwerkzeugs, das die Kunststoffschmelze von der Maschinendüse zu den Kavitätsanschnitten führt und bei jedem Zyklus erstarrt.
In der Praxis ist der Kaltkanal weltweit die Standardkonfiguration für die meisten Spritzgießformen. Er ist mechanisch einfach, benötigt weder Temperaturregler noch beheizte Komponenten und funktioniert zuverlässig mit einer großen Bandbreite an Thermoplasten. Der Nachteil ist der Materialabfall: Der erstarrte Anguss muss vom Bauteil getrennt und entweder entsorgt oder gemahlen und erneut verarbeitet werden. Bei großen Stückzahlen von Standardteilen mit niedrigen Harzkosten ist dieser Abfall oft wirtschaftlich vertretbar. Bei technischen Kunststoffen oder medizinischen Anwendungen, in denen Mahlgut2 eingeschränkt ist, verschiebt sich die Wirtschaftlichkeit zugunsten von Heißkanalsystemen.
Wie funktioniert ein Kaltkanalsystem?
Das Funktionsprinzip ist unkompliziert. Während der Einspritzphase drückt die Maschinenschnecke den geschmolzenen Kunststoff durch die Düse in die Angussbuchse des Werkzeugs. Vom Anguss fließt die Schmelze durch einen primären Angusskanal, der sich in sekundäre Kanäle verzweigt, von denen jeder an einem Anschnitt zur Kavität endet. Da das Werkzeug auf einer Temperatur deutlich unterhalb des Schmelzpunkts des Polymers gehalten wird (je nach Material üblicherweise 20–80 °C), beginnt der Kunststoff im Angusskanal abzukühlen, sobald er die Stahlwände berührt.
Nach dem Nachdrücken und ausreichenden Abkühlen des Teils öffnet sich das Werkzeug, und das Auswerfersystem stößt sowohl das Fertigteil als auch den erstarrten Angusskanal aus. Bei einem Zweiplattenwerkzeug wird der Anguss auf derselben Seite wie das Teil ausgeworfen. Bei einem Dreiplattenwerkzeug wird der Anguss separat abgezogen, sodass eine automatische Trennung ohne manuellen Eingriff möglich ist. Anschließend wiederholt sich der Zyklus.
Zu den entscheidenden Variablen für die Leistung eines Kaltkanals gehören: der Kanaldurchmesser (typischerweise 3–12 mm, abhängig von Bauteilgröße und Materialviskosität), die Kanallänge (kürzer ist im Hinblick auf den Druckverlust stets besser), Angusstyp und -größe (Kanten-, Tunnel- und Punktangüsse sind am häufigsten) sowie die Anzahl der Kavitäten in der Anordnung. Ein gut ausgelegter Kaltkanal füllt jede Kavität gleichmäßig bei minimalem Druckverlust und vertretbarem Abfallvolumen.
Welche Arten von Kaltkanalwerkzeugen gibt es?
Es gibt zwei primäre Kaltkanalkonfigurationen: Zweiplatten- und Dreiplattenwerkzeuge. Eine dritte Variante, das isolierte Angusskanalwerkzeug, existiert ebenfalls, ist in der modernen Produktion jedoch selten.
Zwei-Platten-Kaltkanalwerkzeug
Das Zweiplattenwerkzeug ist die einfachste und wirtschaftlichste Konfiguration. Es besitzt eine einzige Trennlinie: Das Werkzeug teilt sich in zwei Hälften — Kavitätsseite (A-Seite) und Kernseite (B-Seite). Der Angusskanal ist in eine oder beide Hälften der Trennlinie eingearbeitet. Beim Öffnen des Werkzeugs fallen Teil und erstarrter Angusskanal auf derselben Seite heraus. Diese Auslegung eignet sich ideal für Teile mit Anschnitten auf einer Fläche und für kleine bis mittlere Serien, bei denen manuelles Abtrennen zulässig ist oder Roboter den Angusskanal automatisch trennen können.
Dreiplattenform mit Kaltkanal
Das Dreiplattenwerkzeug fügt eine zweite Trennebene hinzu und besteht damit aus drei Platten: der Abstreiferplatte, der A-Platte und der B-Platte. Der Anguss liegt auf der ersten Trennebene (zwischen Abstreiferplatte und A-Platte), während das Teil auf der zweiten Trennebene (zwischen A-Platte und B-Platte) geformt wird. Beim Auswerfen öffnet das Werkzeug nacheinander an beiden Trennebenen und trennt den Anguss automatisch von den Teilen. Dadurch kann auf jeder Bauteilfläche angespritzt werden (nicht nur am Rand), und das automatische Abtrennen des Angusses wird möglich — ein erheblicher Vorteil in Großserien oder automatisierten Produktionsumgebungen.
Der Nachteil ist die Komplexität: Dreiplattenwerkzeuge sind in Bau und Wartung teurer, haben größere Werkzeughöhen (und benötigen größere Pressen) und enthalten zusätzliche bewegliche Komponenten mit höherem Verschleiß. Nach unserer Erfahrung sind Dreiplattenwerkzeuge gerechtfertigt, wenn die Bauteilgeometrie einen Zentralanschnitt erfordert, das Produktionsvolumen 100,000 Zyklen übersteigt oder die Arbeitskosten für manuelles Abtrennen des Angusses untragbar werden.
"Kaltkanalformen sind weltweit die am häufigsten verwendete Formkonfiguration für das Spritzgießen."True
Das ist richtig. Kaltkanalwerkzeuge stellen weltweit die Mehrheit der eingesetzten Spritzgießwerkzeuge. Ihre Einfachheit, geringeren Werkzeugkosten und breite Werkstoffkompatibilität machen sie zur Standardwahl für die meisten Anwendungen.
"Bei einem Dreiplattenwerkzeug werden Anguss und Bauteil gleichzeitig an derselben Trennebene ausgeworfen."False
Bei einem Dreiplattenwerkzeug wird der Verteiler an einer vom Bauteil getrennten Trennebene abgezogen, was eine automatische Trennung ermöglicht. Dies ist der entscheidende Vorteil gegenüber Zweiplattenwerkzeugen, bei denen beide an derselben Trennebene herausfallen.
Wann sollten Sie einen Kaltkanal statt eines Heißkanals wählen?
Diese Frage hören wir am häufigsten von Kunden, die verschiedene Werkzeugoptionen bewerten. Die Antwort hängt von vier Faktoren ab: Produktionsmenge, Materialkosten, Bauteilgeometrie und Häufigkeit der Farbwechsel.
Kaltkanäle sind die bessere Wahl, wenn: (1) das Produktionsvolumen niedrig bis mittel ist (unter 500.000 Teilen) – die geringeren Kosten der Spritzgießform sorgen für eine schnellere Amortisation. (2) Die Materialkosten niedrig sind – beim Formen von PP, PE oder PS für wenige Euro pro Kilogramm fällt der Angussabfall kaum ins Gewicht. (3) Häufige Farbwechsel erforderlich sind – Kaltkanäle lassen sich sofort spülen, da keine beheizten Verteiler vorhanden sind. (4) Sie eine Mehrkavitätenfertigung mit einfachen Bauteilgeometrien benötigen.
Heißkanäle werden bei hohen Stückzahlen (über 1 Million Teile) attraktiver, ebenso bei teuren technischen Kunststoffen, bei denen die Vermeidung von Angussabfall erhebliche Materialkosten spart, oder wenn die Zykluszeitoptimierung entscheidend ist — Heißkanäle können Zykluszeiten verkürzen, da die für das Kühlen und Auswerfen des Angusses benötigte Zeit entfällt.
| Faktor | Kaltkanal | Heißer Läufer |
|---|---|---|
| Werkzeugkosten | $5,000–$15,000 niedriger | $15,000–$50,000 höher |
| Angussabfall | 15–30% pro Schuss | Nahezu null |
| Farbwechsel | Schnell (3–5 Schuss) | Langsam (10–30 Schuss) |
| Wartung | Niedrig | Höher (Heizelemente, Thermoelemente) |
| Zykluszeit | Länger (Abkühlung des Angusskanals) | Kürzer |
| Am besten geeignet für | Niedriges bis mittleres Volumen, häufige Farbwechsel | Hohe Stückzahlen, teure Harze |
Welche Werkstoffe eignen sich am besten für Kaltkanalsysteme?
Die meisten Thermoplaste lassen sich gut mit Kaltkanälen verarbeiten, einige Werkstoffe sind jedoch besser geeignet als andere. Die wichtigsten Materialeigenschaften für die Leistungsfähigkeit eines Kaltkanals sind Schmelzeviskosität, thermische Stabilität und Schwindungsverhalten.
Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE) sind mengenmäßig die am häufigsten in Kaltkanälen verarbeiteten Werkstoffe. Aufgrund ihrer niedrigen Kosten, geringen Viskosität und ihres breiten Verarbeitungsfensters eignen sie sich ideal für unbeheizte Kanalsysteme. PP-Kaltkanäle finden sich in Anwendungen von Verpackungsverschlüssen bis hin zu Batteriegehäusen für Kraftfahrzeuge.
Nylon (PA6, PA66) lässt sich in Kaltkanalsystemen gut verarbeiten, erfordert jedoch eine sorgfältige Kontrolle des Feuchtegehalts. Nylon ist hygroskopisch — es nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf — und muss vor dem Spritzgießen gründlich getrocknet werden, um Silberschlieren und schwache Bindenähte zu vermeiden. Wegen des längeren Fließwegs gegenüber Heißkanalsystemen muss das Material im Kaltkanal ausreichend warm bleiben, um ein vorzeitiges Erstarren zu verhindern. Bei glasfaserverstärkten Nylontypen (PA6-GF30, PA66-GF30) sollten die Angusskanaldurchmesser wegen der höheren Viskosität um 20-30% vergrößert werden.
Technische Kunststoffe und Spezialwerkstoffe
Polycarbonat (PC) und Acryl (PMMA) eignen sich ebenfalls gut für Kaltkanalsysteme. Diese Materialien weisen höhere Schmelzetemperaturen (280-320 °C bei PC), aber eine gute thermische Stabilität auf. Dadurch fließen sie gut durch unbeheizte Kanäle, ohne vorzeitig zu erstarren. Insbesondere PC profitiert bei optischen Linsen und Elektronikgehäusen von der Einfachheit des Kaltkanals, da dort Materialreinheit und eine gleichbleibende Oberflächengüte entscheidend sind. Kaltkanalwerkzeuge für Acryl (PMMA) sind bei Fahrzeugbeleuchtungen und Displayanwendungen verbreitet.
Zu den in Kaltkanälen anspruchsvollen Materialien gehören PVC (Risiko thermischer Zersetzung bei zu langem Anguss), PEEK (die sehr hohe Schmelztemperatur macht Kaltkanäle für die meisten Anwendungen unpraktisch) und Flüssigsilikon (LSR), das stets einen Kaltkanal benötigt, jedoch in einer völlig anderen Konstruktion. Wenn Sie Spezialharze verarbeiten, sprechen Sie frühzeitig im Konstruktionsprozess mit Ihrem Spritzgießpartner, um Machbarkeit und Kostenauswirkungen des Angusssystems zu bewerten.
Wie konstruiert man ein optimales Kaltkanalsystem?
Eine gute Kaltkanalauslegung ist nicht kompliziert, erfordert aber die genaue Beachtung einiger kritischer Parameter. Fehler bei einem dieser Parameter führen schnell zu wochenlanger Fehlersuche wegen Kurzschüssen, Einfallstellen oder unausgewogener Füllung.
Angusskanaldurchmesser und -form
Standardmäßig wird ein vollrunder Angusskanalquerschnitt empfohlen, da er das beste Verhältnis von Oberfläche zu Volumen für Wärmespeicherung und geringen Druckverlust bietet. Der Kanaldurchmesser sollte etwa 1.5× der maximalen Wandstärke des Teils betragen; der praktische Bereich liegt bei 3–12 mm. Ist er zu klein, entstehen hoher Druckverlust und vorzeitiges Zufrieren. Ist er zu groß, werden Material verschwendet und die Zykluszeit verlängert. Ein trapezförmiger Kanal ist eine vertretbare Alternative, wenn nicht beide Formhälften bearbeitet werden können, verursacht gegenüber einer vollrunden Ausführung jedoch 15–25% mehr Druckverlust.
Angusskanal-Layout und Balancierung
Bei Mehrkavitätenformen muss die Angussanordnung so ausbalanciert sein, dass alle Kavitäten gleichzeitig und mit gleichem Druck gefüllt werden. Eine künstlich ausbalancierte Anordnung gleicht den Fließwiderstand durch unterschiedliche Angussdurchmesser und -längen aus. Eine natürlich ausbalancierte Anordnung platziert die Kavitäten symmetrisch, sodass jeder Fließweg identisch ist – dies ist stets vorzuziehen, weil sie robuster gegenüber Viskositätsänderungen und Prozessschwankungen ist. In unserem Formenbau prüfen wir die Füllbalance vor dem Stahlzuschnitt mit einer Moldflow-Simulation3, wodurch sich die Fehlerbehebung beim ersten Schuss um etwa 40 % verkürzt. Mit einer hausinternen Formenfertigung von mehr als 100 Sätzen pro Monat beherrschen wir komplexe Angussbalancierungen für vielfältige Bauteilgeometrien.
Tor-Design
Der Anschnitt ist die engste Stelle im Fließweg und hat den größten Einfluss auf das Erscheinungsbild und die Maßgenauigkeit des Teils. Zu den gängigen Anschnittarten für Kaltkanalsysteme gehören Seitenanschnitte (die einfachste Ausführung an der Trennebene), Tunnelanschnitte (Tunnel, die beim Auswerfen automatisch abgeschert werden) und Punktanschnitte (Anschnitte mit kleinem Durchmesser, die über ein Dreiplattenwerkzeug gespeist werden). Die Anschnittgröße sollte an der Anschnittposition etwa 50–80% der Wanddicke des Teils betragen. Ein zu kleiner Anschnitt verursacht hohe Scherung, die das Material abbauen und sichtbare Anschnittmarken erzeugen kann. Ein zu großer Anschnitt verlängert die Nachdruckzeit und erschwert das Abtrennen.
Welche Fehler treten bei Kaltkanalsystemen häufig auf und wie lassen sie sich beheben?
Dieser Abschnitt erläutert die wichtigsten Kategorien häufiger Kaltkanalfehler und deren Behebung. Auch gut konstruierte Kaltkanalwerkzeuge können Fehler erzeugen. Nachfolgend finden Sie die häufigsten Probleme aus unserer Praxis und die jeweiligen Lösungen.
Kurzschüsse entstehen, wenn die Kavität nicht vollständig gefüllt wird. Bei Kaltkanalwerkzeugen ist die häufigste Ursache ein zu kleiner oder zu langer Angusskanal, der einen übermäßigen Druckverlust erzeugt. Abhilfe schaffen ein größerer Angusskanaldurchmesser oder ein kürzerer Angusskanal, indem die Kavitäten näher am Anguss angeordnet werden. Ein höherer Einspritzdruck oder eine höhere Geschwindigkeit kann ebenfalls helfen, ist jedoch nur eine Übergangslösung — die zugrunde liegende Geometrie sollte korrigiert werden.
Fließlinien und Bindenähte entstehen dort, wo mehrere Fließfronten zusammentreffen. Bei Kaltkanalwerkzeugen treten sie häufig an Verteilerabzweigungen oder dort auf, wo zwei Angüsse dieselbe Kavität speisen. Zu den Lösungen gehören: Angüsse verlegen, um Bindenähte in unkritische Bereiche zu verschieben; die Schmelzetemperatur erhöhen, um das Verschmelzen der Fließfronten zu verbessern; oder bei optisch kritischen Teilen eine Einangusskonstruktion verwenden.
"Mahlgut aus Kaltkanalabfällen kann bei den meisten unkritischen Thermoplastanwendungen in einem Anteil von 15–20% mit Neuware gemischt werden."True
Ja, dies ist branchenübliche Praxis. Bei Standardthermoplasten wie PP und PE erhält Rezyklat bei Beimischungsanteilen von 15–20% die mechanischen Eigenschaften aufrecht und senkt zugleich die effektiven Kosten des Materialabfalls deutlich.
"Heißkanalsysteme erzeugen unabhängig vom Produktionsvolumen stets qualitativ bessere Bauteile als Kaltkanalsysteme."False
Die Qualität hängt von einer geeigneten Formkonstruktion ab, nicht von der Kanalart. Gut ausgelegte Kaltkanäle erzeugen Bauteile von ebenso hoher Qualität. Die Wahl richtet sich nach Stückzahl, Materialkosten und Anforderungen an den Farbwechsel.
Übermäßiger Verteilerabfall ist zwar kein Fehler an sich, stellt jedoch häufig ein Kostenproblem dar. Überschreitet der Verteilerabfall 30% des gesamten Schussgewichts, kommen folgende Maßnahmen infrage: Verringerung des Verteilerdurchmessers im Rahmen der Druckgrenzen; Umstellung auf einen Heißkanal für den Hauptverteiler bei Beibehaltung kalter Verteiler für die letzten Abgänge als Hybridsystem; oder Einführung eines Mahlgutprogramms zum Recycling des Verteilermaterials. Für die meisten Thermoplaste sind Mahlgut-Beimischungen von 15–20% bei unkritischen Anwendungen akzeptabel.
Bei ZetarMold bauen wir seit 2005 Spritzgusswerkzeuge — mit über 20 Jahren Erfahrung sowohl mit Kaltkanal- als auch mit Heißkanalsystemen. Unser Werk in Shanghai betreibt 47 Spritzgießmaschinen im Bereich von 90T bis 1850T. Dadurch können wir Kaltkanalwerkzeuge flexibel für alle Anwendungen einsetzen, von kleinen Präzisionsteilen bis zu großen Strukturkomponenten. Mit unserem internen Werkzeugbau und unserer Erfahrung mit 400+ Werkstoffen können wir Ihnen helfen, das optimale Angusskanalsystem für Ihre konkrete Anwendung zu bestimmen.
Was sind die häufigsten Fragen zu Kaltkanalsystemen?
Wie hoch ist der typische Angussabfallanteil bei einer Kaltkanalform?
Der Verteilerabfall in einem Kaltkanalwerkzeug beträgt typischerweise 15% bis 30% des gesamten Schussgewichts, abhängig von Kavitätenzahl, Verteilerlayout und Teilegröße. Bei kleinen Mehrkavitätenwerkzeugen kann das Verteilervolumen das Teilevolumen sogar übersteigen und den Abfall über 30% treiben. Bei größeren Einkavitätenteilen kann er auf 10–15% sinken. Die gute Nachricht: Bei den meisten Thermoplasten kann dieses Verteilermaterial gemahlen und in Mischungsverhältnissen von 15–20% mit Neuware erneut verarbeitet werden, wodurch der tatsächliche Materialverlust deutlich sinkt.
Kann Kaltkanalabfall recycelt werden?
Ja, Kaltkanalabfall kann bei den meisten thermoplastischen Werkstoffen recycelt werden. Die erstarrten Angusskanäle werden in Schneidmühlen zu Mahlgut zerkleinert und anschließend in typischen Anteilen von 15–20% wieder mit Neuware vermischt. Dieses Mahlgutverfahren eignet sich gut für Standardwerkstoffe wie Polypropylen und Polyethylen, bei denen die Kosteneinsparungen erheblich sind. Bei Teilen in Medizinqualität, optischen Komponenten oder Anwendungen mit strengen regulatorischen Anforderungen kann der Einsatz von Mahlgut jedoch verboten oder begrenzt sein. Prüfen Sie nach mehreren Mahlgutzyklen stets die Materialintegrität, da thermischer Abbau die mechanischen Eigenschaften mindern kann.
Wie wird ein Kaltkanal dimensioniert?
Ein Kaltkanal sollte etwa auf das 1.5-Fache der maximalen Wanddicke des Formteils ausgelegt werden; der praxisgerechte Durchmesser liegt zwischen 3 und 12 Millimetern. Vollrunde Querschnitte werden bevorzugt, weil sie das beste Verhältnis von Oberfläche zu Volumen für Wärmespeicherung und geringen Druckverlust bieten. Ist der Kanal zu klein, führt ein übermäßiger Druckverlust zu unvollständiger Füllung und vorzeitigem Erstarren. Ist er zu groß, steigen Materialabfall und Zykluszeit aufgrund des höheren Kühlbedarfs.
Worin besteht der Unterschied zwischen einem Zwei- und einem Dreiplatten-Kaltkanalwerkzeug?
Eine Zweiplattenform besitzt eine einzige Trennebene, an der Bauteil und Anguss gemeinsam ausgeworfen werden. Dadurch ist sie einfacher und kostengünstiger zu bauen. Eine Dreiplattenform ergänzt eine zweite Trennebene, durch die sich der Anguss beim Auswerfen automatisch vom Bauteil trennt. Dreiplattenformen ermöglichen Anschnitte auf jeder Bauteiloberfläche und nicht nur an der Kante der Trennebene. Dies ist für mittig oder mehrfach angespritzte Geometrien unerlässlich. Dem stehen höhere Werkzeugkosten, eine größere Formhöhe und ein höherer Wartungsaufwand aufgrund zusätzlicher beweglicher Komponenten gegenüber.
Wann ist ein Kaltkanalsystem nicht zu empfehlen?
Kaltkanäle sind nicht zu empfehlen, wenn sehr teure technische Harze verarbeitet werden und 15–30% Materialabfall wirtschaftlich untragbar sind, wenn die Produktionsmenge eine Million Zyklen übersteigt und die Zykluszeitoptimierung entscheidend ist oder wenn Flüssigsilikon besondere Kaltkanalkonstruktionen mit aktiv gekühlten Kanälen erfordert. Für Anwendungen ohne jegliche Nacharbeit nach dem Spritzgießen sind sie ebenfalls weniger geeignet, da der erstarrte Anguss stets vom Fertigteil getrennt werden muss. Bei medizintechnischen Teilen mit eingeschränkter Mahlgutnutzung vermeiden Heißkanäle den Abfall vollständig.
Wie beeinflusst die Angusskanallänge den Einspritzdruck?
Die Verteilerkanallänge wirkt sich unmittelbar und erheblich auf den erforderlichen Einspritzdruck aus. Der Druckverlust in einem Kaltkanal ist proportional zur Verteilerkanallänge und umgekehrt proportional zur vierten Potenz des Verteilerkanaldurchmessers. Eine Verdopplung der Länge verdoppelt annähernd den Druckverlust, während eine Verdopplung des Durchmessers den Druckverlust um den Faktor sechzehn reduziert. Deshalb versuchen Werkzeugkonstrukteure stets, die Verteilerkanäle zu verkürzen, indem sie die Kavitäten möglichst nahe am Anguss platzieren und natürlich balancierte Anordnungen verwenden.
Können Kaltkanäle für Mehrmaterial-Spritzguss eingesetzt werden?
Kaltkanäle können in bestimmten Konfigurationen für den Mehrkomponentenspritzguss eingesetzt werden, sind jedoch stärker eingeschränkt als Heißkanalsysteme. Bei Zweikomponenten- oder Umspritzanwendungen können Kaltkanäle in der festen Werkzeughälfte eingesetzt werden, während der drehbare Kern zwischen den Stationen wechselt. Kaltkanäle können den Materialfluss zu verschiedenen Kavitäten jedoch nicht so selektiv steuern wie Heißkanalsysteme mit Nadelverschluss. Für komplexe Mehrkomponentenanwendungen mit drei oder mehr Materialien oder bei erforderlicher präziser Materialplatzierung sind Heißkanalsysteme in der Regel besser geeignet.
Welche Anschnitttypen eignen sich am besten für Kaltkanalsysteme?
Die gebräuchlichsten und wirksamsten Anschnittarten für Kaltkanalsysteme sind Seitenanschnitte, Tunnelanschnitte und Punktanschnitte. Seitenanschnitte sind am einfachsten und wirtschaftlichsten und werden direkt in die Trennfuge eingearbeitet. Tunnelanschnitte werden beim Auswerfen automatisch abgetrennt und eignen sich daher ideal für die automatisierte Produktion, wenn ein manuelles Abtrennen des Anschnitts unerwünscht ist. Punktanschnitte kommen in Dreiplattenwerkzeugen zum Einsatz, hinterlassen einen kleinen Anschnittrest und ermöglichen die Anspritzung an jeder Oberfläche. Die Anschnittgröße sollte an der Anschnittposition 50–80% der Bauteilwanddicke betragen, um Füllqualität und einfache Anschnitttrennung auszubalancieren.
Kaltkanalsystem: Ein Kaltkanalsystem ist ein unbeheiztes Kanalsystem in einer Spritzgießform, das geschmolzenen Kunststoff von der Maschinendüse zu den Anschnitten der Kavitäten leitet und bei jedem Zyklus erstarrt. ↩
Mahlgut: Mahlgut entsteht durch das Zerkleinern erstarrter Angüsse und Ausschussteile zu wiederverwendbarem Kunststoffgranulat, das typischerweise zu 15–20 % mit Neuware gemischt wird. ↩
Moldflow-Simulation: Eine Moldflow-Simulation ist eine computergestützte technische Software, die Kunststofffluss, Kühlung und Verzug in Spritzgießformen simuliert, um die Konstruktion vor der Fertigung zu optimieren. ↩








